Interview zu: "Pilotprojekt Auwiesen"

Uwe Jonas (= UJ) im Gespräch mit Peter Arlt
Linz, Pfarrplatz 18, 11.3.09

UJ.: Die Ursprünge des Projekts liegen in Berlin-Gropiusstadt. Dort wurde von einem Wohnbauträger als Sponsoring für ein Kunstfestival eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen, um auswärtige Künstler unterzubringen. Und nachdem das Festival zu Ende war, dachte ich, dass man mit dieser Wohnung ein Projekt machen kann. Der Grundgedanke war, dass Künstler – aus Berlin, weil Gropiusstadt ist ganz anders als das übrige Berlin - mal Urlaub machen können: Abspannen für 1, 2 Wochen. Und der Wohnbauträger, der ohnehin Leerstand hat, fand das nicht schlecht und hat noch dazu ein Budget für Projekte hergegeben – was gar nicht intendiert war. Aber der Urlaubsgrundgedanke blieb maßgeblich. Die Künstler konnten ein Projekt verwirklichen, aber sie mussten nicht. Sie konnten einfach dort sein. Und das läuft nun so schon 7 Jahre.

Seit einigen Jahren versuchen ich bei Vorträgen dieses Konzept Leuten, Organisatoren schmackhaft zu machen, weil es sehr einfach ist, und die Wohnbaugenossenschaften das aus der Portokasse zahlen können. Aber ich habe nie jemanden gefunden, der sich das Organisatorische antun will. Und beim Pilotprojekt Auwiesen habe ich mir dann gedacht, dass man mit diesem Projekt auf Reisen geht. Ein temporäres Residenzprojekt, in einem abgesteckten Areal, und die Künstler bringe ich selber mit. Die müssen allerdings was realisieren. Wenn man Teil eines Festivals ist, dann geht es nicht anders. Dazu will ich auch noch mit den eingeladenen Künstlern eine Ausstellung in der Wohnung machen. Das ist ein neues Element, auch um das Projekt festivaltauglich zu bekommen. Es hat auch den ganz handfesten Grund, dass ich gerne Auwiesen von innen sehen wollte. Die Häuser nur von außen anzusehen fand ich komisch – ich wollte in die Wohnungen rein. Und diese Möglichkeit will ich den Festivalbesuchern auch geben.

Aber während des Festivals wohnt auch ein Künstler in der Wohnung?

UJ.: Ja, und da kann man dann auch ein wenig mit den Mythos des Ateliers und auch mit der  Wohnung spielen. Vielleicht ladet man dann auch die Besucher zum Kaffee ein.

Es gibt sechs eingeladene KünstlerInnen, wovon drei schon vor dem eigentlichen Festivalbeginn ein Projekt realisieren, drei dann während der Festivalzeit, wo auch noch eine Ausstellung in der Wohnung – zu gewissen Zeiten - zu besichtigen ist.

UJ.: Und ich habe noch zwei Künstler eingeladen. Allerdings mit einem fixen Projekt, während die anderen ihre Projekte hier entwickeln.

Gab oder gibt es Befürchtungen das irgendetwas von dem was man sich ausgedacht hat nicht klappt?


UJ.: Die erste Angst betrifft die Wohnung. Die Wohnung ist das Herzstück des ganzen Projekts. Die Wohnung muß angenehm und mit Liebe eingerichtet sein. Wenn das nicht gelingt, dann geht’s nicht. Vielen Artist-in-Residence Wohnungen fehlt das. Das wird irgendwann schnell eingerichtet und dann kümmert sich keiner mehr darum, außer der Putzfrau. Wobei es weniger um die Wohnung an sich geht, als vielmehr um die Möbeln. Noch dazu haben die Vormieter auch die Küche mitgenommen. Ich habe ein beschränktes Einrichtungsbudget, aber ich hatte dann das Glück, das ich diesen Laden gefunden haben, den Arge Trödlerladen. Aber ich wussten nicht, ob zu den Zeitpunkt wo ich einrichte was Schönes da ist und ob das auf Leihbasis geht. Aber ich habe gleich einen schönen Tisch gefunden und Herd und Spülbecken gabs auch. Und dann hat man die Sachen, aber man weiß ja noch nicht wie das mit der Wohnung zusammengeht. Aber es hat alles super gepasst und ich bin rundum zufrieden.

Steht so ein Projekt in der Tradition „Gebietsaufwertung durch Künstler“, was in Berlin, aber auch in Wien besonders bei leer stehenden Geschäftslokalen seit einigen Jahren praktiziert wird, mit der Hoffnung, dass Lokale vermietet werden können und die Gegend aufgewertet wird ?
 
UJ.: Solche Projekte können auch instrumentalisiert werden. Aber in der Gropiusstadt ist es sicher nicht so: Das ist kein Stadtteil den man gentrifizieren kann, - das kann man vergessen. Die Wohnbaugesellschaft wollte das Image – für ihre Bewohner – aufbessern und Abwanderung vermeiden - aber nicht Besserverdienende herlocken.
In Auwiesen hatte die Wohnbaugesellschaft gar kein Interesse daran – die mussten erst überzeugt werden und es ist sogar so, dass für die Wohnung Miete bezahlt werden muss, was ich eigentlich ablehne und blöd finde.
Die Vormieter von meiner Wohnung sind in die SolarCity gezogen und zahlen dort weniger Miete, was offenbar mit der österreichischen Wohnbauförderpraxis zu tun hat, wo mit dem Alter der Wohnungen auch der Mietpreis steigt - für mich unverständlich. Die Gefahr das Auwiesen gentrifiziert wird ist jedenfalls äußerst gering.

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