Interview zu: "Akropolis Linz"

Frank Bölter (= FB) im Gespräch mit Peter Arlt
Linz, Hotel Lokomotive, 27.2.09


Sie haben 2006 schon einmal ein Papphaus gebaut. Was reizt einen, das nochmal zu machen? Muss man den Prototypen noch weiterentwickeln?


FB: Nein – es geht gar nicht um das Gebäude oder den Baustoff. Der Pappstein ist die Eintrittskarte für eine Kommunikation mit den Leuten. Der Stein ist kinderleicht zu falten, mauern macht fast jedem Spaß, und das ist die Eintrittskarte für einen Erfahrungsprozess. Wir haben uns gestern im Jugendzentrum mit den Jugendlichen getroffen und das Projekt besprochen. Die finden das spannend und werden auch kommen. Und das spricht sich rum.

Klar geht es auch um dieses leicht größenwahnsinnige Unterfangen, die Akropolis 1:3 nachzubauen, aber in erster Linie geht es darum, Leute zu involvieren. Ich werfe eine Idee ins Feld und schaue: Dockt wer an, wer dockt an – und das scheint zu funktionieren.

Ist die Akropolis betretbar, kann man da drinnen etwas machen?

FB: Ja, das sollen die auch. Ich finde es gut, wenn die Jugendlichen das okkupieren. Und ich glaube, dass das klappen kann, dass sie es als ihr Projekt betrachten, auch wenn die Idee von mir kommt. Gestern gab es da schon Ideen: Graffitis, Bilder aufhängen, Musik machen.

Es kam auch die Frage auf: „Was machst du, wenn einer zündelt?“ Dann habe ich zurückgefragt: „Wie schätzt ihr das so ein?“ Der eine meinte: „Das wird hier passieren“ und darauf hat ein anderer gemeint: „Das ist doch unser Projekt, da passen wir schon auf.“ Vielleicht gibt’s so eine Art Selbstregulierung.

Das alles gehört auch dazu, und es wäre schön, wenn es einen Freiraum für die Bevölkerung gibt, damit da etwas entstehen kann. Ein paar Jugendliche haben auch gemeint: „Dann pennen wir halt da drinnen.“ Ist auch eine Möglichkeit.

(...)

Ursprünglich war ja die Idee, eine Auwiesen-Wohneinheit 1:1 nachzubauen. Warum ist man von dieser Idee weggegangen?

FB: Letzten Endes musste ich mir überlegen, was mehr Kräfte freisetzt – als Bild für die Auwiesener. Ausschlaggebend war für mich dann, dass dieses 80er-Jahre-Siedlungskonzept durch ist – man ist damit fertig. Man wohnt da ganz normal mit den üblichen Begleiterscheinungen, Handtaschenraub und solchen Sachen. Es hat so ein Realismus Einzug gehalten. In der solarCity ist das ganz anders, das ist noch viel zu frisch – dieser Anstrich des Modernen täuscht einen noch. Das ist in Auwiesen längst schon alles weg. Und dann wäre so ein Auwiesennachbau ein Bild für die Enttäuschung – und das will ich nicht und dann macht vielleicht auch gar keiner mit. Wenn man positive Energien freisetzen will, dann muss man was anderes bauen. Die Entscheidung für die Akropolis hat schon auch was mit Linz als Kulturhauptstadt Europas zu tun: die Akropolis als Fundament für Europa wie auch für Auwiesen.

Gab’s auch die Überlegungen, sich auf lokale Bauten zu beziehen oder einen der geplanten Linzer Neubauten, die 2009 nicht fertig werden, schon mal vorneweg zu realisieren, wie das Musiktheater? Auwiesen hat die Oper früher.

FB: Da wäre der lokale Bezug möglicherweise stärker. So haben wir eine größere internationale Strahlkraft mit dem Akropolis-Symbol. Es wäre beides möglich gewesen. Es war meine Entscheidung, mit dem Hintergrund, dass man Auwiesen stärker aufwertet, je weiter man mit dem Bild nach außen geht. Solche Entscheidungen sind sehr schmale Grate – so eindeutig und klar ist das nicht.

Es gibt einerseits diesen Größen- und Bedeutungswahn, aber andrerseits gibt es das rasend schnell verwitternde Material. Der Kontrast ist natürlich riesig groß.

Für mich gehört die Verwitterung genauso dazu. Darum will ich in der Mitte des Festivals mit dem Bauen fertig sein und dann haben wir noch zehn Tage für die Verwitterung, zur Betrachtung der Ruinierung der Kultur. Das will ich schon gern sehen.

Wie sieht das Ende der Akropolis Linz aus?

FB: Am 2. Juni wird abgeräumt und das Material wird recycelt – so sieht es zumindest die Vereinbarung mit der GWG vor.


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