Programm


Festival of Regions 1995

Updated: 30.07.2010

Symposion - Heiße Heimat

Salzkammergut Aeusseres Symposium

Idee des Symposions ist es, den Begriff Heimat in all seinen Facetten zu hinterfragen. "Heimat" bedingt immer den Gegenbegriff "Fremde". Beides sind Kategorien der Orientierung, der Positionsbestimmung. Lange suspekt, ist der Heimatbegriff nicht nur seit geraumer Zeit gesellschaftsfähig, sondern - bedingt durch die Globalisierung und Internationalisierung der Welt des Österreichers - topaktuell geworden. Die Jahre 1989 - der Fall des Eisernen Vorhangs - und 1995 - der Eintritt in die Europäische Union - sind für die Renaissance des Begriffs und die gesamte Diskussion in Österreich stimulierende Zäsuren. Das "Europa der Regionen" scheint für viele eine Möglichkeit zu sein, dem befürchteten kulturell-nationalen "Einheitsbrei" zu entkommen. In diesem Kontext erlebt Heimat ein erneutes Revival. Die Geschichte des Begriffs "Heimat" und des Gegenbegriffs "Fremde" - in der Ausgrenzung liegt bereits ein Teil der Definition von Heimat - ein kulturgeschichtlicher Streifzug durch die diversen Bedeutungen im historischen Längsschnitt: Heimat in vorindustriellen Zeiten, Heimat und Industrialisierung, das österreichische Heimatrecht bis 1938, das eine Besonderheit der europäischen Rechtsgeschichte darstellt, der Heimatschutz bis hin zum Blut- und Boden-Gedanken der Nationalsozialisten. Die Identitäts-Tricks, mit denen es den Österreichern nach 1945 gelang, sich in der eigenen Republik, im "Eigenheim" Österreich, zu akklimatisieren und hier Identität und Heimatgefühl zu erlangen; und letztlich die Erläuterung des "modernen" Heimatgedankens. Es soll die Frage diskutiert werden, ob Identität territorial gebunden ist. Ist Heimat tatsächlich, wie Gunter Falk u.a. meinen, eine soziale Zuschreibung oder ist es doch auch ein geographischer Ort, eine Region, auf die sich Heimat immer bezieht. Sind Bewusstsein, Vorstellungen oder Gefühle räumlich gebunden und fixiert, oder orientieren sie sich in erster Linie an sozialen Systemen? Es wird eine Auseinandersetzung mit dem sich aktuell vollziehenden Wandel stattfinden. Von einer Gesellschaft der Ortsgebundenheit zu einer mobilen Gesellschaft in jeglicher Hinsicht; von einer Gesellschaft der Körperlichkeit zu einer Gesellschaft der Körpervernachlässigung, von realen zu virtuellen Welten, und schließlich von Lebenswelten, die konzentrisch geprägt sind (im Kern sitzt die "Identität", das Vertraute, in konzentrischen Kreisen, außerhalb dieses Zentrums wird die Lebenswelt immer "fremder") hin zu Lebenswelten, die disparat sind. Ein Individuum kann gleichzeitig mit Wels vertraut sein, mit New York, einer griechischen Insel und mit einem Computernetzwerk.

Contributers:
Projektverantwortliche(r) JKU Linz - Michael John

Locations:
A-4866 Unterach am Attersee
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