Programm
Festival of Regions 1993
Abraham
Linz Stadt Theatre/performance |
"Und als sie an die Stelle kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und faßte das Messer, daß er seinen Sohn schlachtete…"; So kennen wir die Geschichte von Abraham aus dem Alten Testament. Bekanntlich verzichtete Gott auf das schreckliche Kindesopfer und sandte im rechten Augenblick einen Widder, der gegen Isaak ausgetauscht wurde. Felix Mitterer bezieht sich mit dem Titel seines jüngsten Stückes natürlich auf diesen biblischen Abraham, aber hier ist es der Sohn, der vom Vater den Tod fordert, um für sein angebliches Vergehen zu büßen.; "Ein Stück über die Liebe" heißt es im Untertitel. Es geht um eine Liebe, die nicht sein darf, weil Kirche und Gesellschaft sie als krankhaft, als unnatürlich und schlecht verurteilt haben. Es geht aber auch um die Liebe eines Sohnes zu seinem Vater, der die homosexuelle Veranlagung des jungen Mannes nicht akzeptieren will. Mitterer zeigt, "wie ein Mensch mit sich zu kämpfen hat, der an Gott glaubt und an die Gesetze der Kirche, der seine Veranlagung selbst für eine Sünde hält. Kommt hinzu, dass die Hauptfigur des Stückes auf dem Land lebt. Und man weiß, was es bedeutet, wenn in einem kleinen Ort bekannt wird, dass einer homosexuell ist und dann noch aidskrank dazu."; Peter ist Architekt, sein Vater ein angesehener, erfolgreicher Baumeister. Der Sohn soll möglichst bald den Betrieb übernehmen, soll heiraten und dann selbst für einen Nachfolger sorgen. Eine Welt bricht für den Unternehmer zusammen, als er von der homosexuellen Veranlagung seines Sohnes erfährt. Er hofft, den Sohn zur "Normalität" zurückführen zu können, schickt ihm eine Prostituierte, zwingt ihn schließlich zu einer Heirat. Die voraussehbare Folge: Peter flüchtet zu seinem Freund in die Stadt.; In kurzen, filmischen Szenen schildert Mitterer die Passion des jungen Mannes, der, aidskrank, als verlorener Sohn ins Vaterhaus, in den Schoß der Kirche zurückkehren möchte. Das Stück endet in einem apokalyptischen Alptraum, der Vater tötet den Sohn. Inhaltlich abgehoben, dennoch eng mit dem Thema verbunden, sind zwei kurze Szenen, die sich wie eine Klammer um das Stück schließen: Wir erfahren von den griechischen "Mangas", einem männlichen Leitbild, das in den zwanziger Jahren auftauchte. Diese Männer stehen bewusst am Rande der Gesellschaft, sind stolz, selbstbewusst und streitsüchtig. Sie heiraten nicht, zeugen keinen Nachwuchs, sie haben nichts mit Frauen zu tun. Manchmal nehmen sie einen jungen Mann an Sohnes Stelle an...Felix Mitterer hat sich in seinen Werken immer der Außenseiter, der gesellschaftlich Benachteiligten, angenommen. "Abraham" ist eine logische Fortsetzung des bisherigen dramatischen Schaffens.
Project:Felix Mitterer
in Kooperation mit Landestheater Linz
Contributers:
ProjektträgerIn Landestheater Linz
Projektverantwortliche(r) Felix Mitterer
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