Interview mit: Doris Prlic (Projektkuratorin "zerlegt und verspielt")
Doris Prilc (= DP) im Gespräch mit Peter Arlt
29.1.09, Linz, Café Traxlmayr
Beteiligte KünstlerInnen: Jakob Dietrich & Kai Maier-Rothe (bu’nostik), ekw 14,90, Reinhard Gupfinger, Anna Hilti & Stefanie Thöny & Anita Zumbühl & Nora de Baan, IFEK – Institut für erweiterte Kunst, Johanna Kirsch, Daniel Ladnar & Esther Pilkington, Clemens Mairhofer & Lucas Norer & Sebastian Six, Stefanie Mold, Leo Peschta & Gordan Savičić
DP: Bei „zerlegt und verspielt“ sind für mich als Kuratorin ein paar Teilideen da gewesen, die sich dann zum Gesamtprojekt entwickelt haben. Der erste Ausgangspunkt, der übrigens für viele andere „Festival der Regionen“-Projekte eine Rolle spielt, ist die totale Planung und Vorfertigung – sowohl in der solarCity wie auch in Auwiesen. Das gilt auch für die Räume der Freizeit, die genau vordefiniert und gestaltet sind. Was aber nicht bedeutet, dass die Bewohner diese Räume genauso nutzen. Und daraus ist die eine Idee entstanden, dass Künstler und Künstlergruppen für diese Freiräume Ideen entwickeln, die eine andere als die vorgesehene Nutzung aufzeigen. Thematisch geht es um die Freizeitsituation der BewohnerInnen bzw. Freizeitaktivitäten, Spiele beinhalten. Jedenfalls sollte es nicht ums Thema Wohnen gehen, weil das ist dort das Bestimmende. Die Idee war auch, das Thema Freizeit in diese Wohnsiedlungen stärker zu integrieren.
Wie kommt der Titel: „zerlegt und verspielt“ zustande?
DP: Ich habe versucht, aus dem was ich gern durch die Projekte realisiert hätte, eine Quintessenz zu finden: Die Orte neu zu zerlegen und wieder neu zusammenzubauen und das aber auf eine spielerische Art und Weise. Es sind ja alles eher spielerische und keine dezidiert politischen Projekte.
Sind die einzelnen Aktionen und Interventionen mehr als Anstoß für eine nachhaltige Entwicklung gedacht oder zählt vor allem der Moment der Aufführung?
DP: Wichtig sind mir die einzelnen Termine. Es geht um den Moment. Es ist natürlich wünschenswert, wenn sich aus den Aufführungen etwas weiterentwickelt, aber ich will auch realistisch bleiben. Der Großteil der BewohnerInnen sind ja auch Mieter, die auch immer wieder ihren Wohnort wechseln. Die Nachhaltigkeitsdiskussion ist schon wichtig, aber es kann nicht immer alles nachhaltig sein, auch wenn man es gerne hätte.
Man müsste dann ja auch meist über den Festivalzeitraum hinaus weiterarbeiten mit den BewohnerInnen.
DP: Für mich ist es ein Erfolg, wenn die Bewohner aus Auwiesen und der solarCity das Festival in guter Erinnerung behalten.
Das würden auch nicht alle Künstler so sagen. Manche wollen ja die Leute verunsichern, aufschrecken, konfrontieren. Aber das ist nicht deine Intention?
DP: Es ist mir nicht dezidiert darum gegangen, provokante KünstlerInnen einzuladen, sondern eher solche, deren Arbeiten die Menschen in Auwiesen und der solarCity interessieren können. Der kritische Aspekt bei „zerlegt und verspielt“ liegt im Aufbrechen des geplanten Raums, und kulturelle Aktivitäten an Orten zu machen, die dafür nicht geplant sind. (...) Für mich als Linzer Kulturschaffende ist es interessant, das Zentrum zu verlassen. Viele Leute aus meinem Umfeld waren noch nie da. Ich finde es jedes Mal wieder positiv, wenn ich jemanden dazu bringe, diese Stadtteile anzusehen. Dadurch wächst auch für mich die Stadt. Seit ich so viel hier bin, ist Linz nicht mehr so klein.
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